Transaktionsanalyse für's Ohr

Podcast

Strukturierung der Zeit
1. September 2020

„Ein immerwährendes Problem des Menschen besteht in der Frage, wie er seine Tageszeit strukturieren soll.“

Episode 101

Wir besprechen, wie Menschen ihre Zeit strukturieren und einige spannende Entdeckungen, die wir diesbezüglich in den Büchern von Eric Berne gemacht haben.


Zeitstrukturierung

Wie lösen Menschen dieses „immerwährendes Problem des Menschen“, das Eric Berne formuliert hat?

Berne geht davon aus, dass sich Menschen gegenseitig bei der Lösung dieses Problems und letztlich bei der Vermeidung von Langeweile unterstützen, indem sie Zeit gemeinsam verbringen. Um dies zu tun stehen sechs Arten der Zeitgestaltung zur Verfügung:

  1. Rückzug
  2. Rituale
  3. Zeitvertreib
  4. Spiele
  5. Intimität
  6. Aktivitäten
Zeitstrukturierung - die sechs Arten, gemeinsame Zeit zu gestalten

Zitate von Eric Berne

Ein immerwährendes Problem des Menschen besteht in der Frage, wie er seine Tageszeit strukturieren soll. In diesem existenziellen Sinn besteht die Funktion allen gesellschaftlichen Lebens darin, sich bei der Bewältigung dieses Projekts gegenseitig Beistand zu leisten.

Eric Berne: Spiele der Erwachsenen (2012), S. 20

Überdies fällt es den Menschen schwer, sich mit einer Zeitspanne konfrontiert zu sehen, die nicht mit einem spezifischen Programm ausgefüllt ist – d. h. mit leerer, unstrukturierter Zeit; das gilt vor allem dann, wenn diese Zeitspanne länger andauert.

Eric Berne: Struktur und Dynamik von Organisationen und Gruppen (1979), S. 235

Nicht nur für Jugendliche, auch für viele Erwachsene, ist nichts unbehaglicher als ein gesellschaftlicher Hiatus, eine Periode unstrukturierter Zeit, in der alle Anwesenden schweigen und keinem etwas Besseres einfällt, als etwa zu fragen: „Glauben Sie nicht auch, dass die Wände heute Abend senkrecht stehen?“

Eric Berne: Spiele der Erwachsenen (2012), S. 20

Höre jetzt unser Gespräch und erfahre mehr über die sechs Arten der Zeitgestaltung und wie Eric Berne sie beschrieben hat!


Im Gespräch erwähnte Episode


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  • Hallo,
    eine Frage zu dem "sich mit sich auseinandersetzen, wenn man Zeit zur Verfügung hat, die nicht gefüllt" ist.
    Jürg sagt: Es ist einfacher sich mit sich selbst auseinander zu setzen im Austausch mit einem Gegenüber. Verstehe ich das richtig?
    Meine Erfahrung ist, dass ich mich gut mit mir auseinandersetzen kann, wenn ich alleine bin. Eine Abwechslung ist wichtig auch für mich. Also ein Austausch und danach setze ich mich dann bewusst noch einmal mit dem Gespräch und meinen Gefühlen und meiner Idee dazu auseinander. Dafür brauche ich meist Ruhe und Zeit für mich, um mich, den Gegenüber und den Inhalt und Ablauf des Gesprächs zu reflektieren. Gut ist, wenn man das mit dem Gegenüber gemeinsam reflektieren kann, das ist klar. Kann man aber nicht immer, will ja nicht jeder so tief. Daher ist mein Rezept. Regelmäßige Interaktion mit verschiedenen Menschen, auch mal mit Menschen, die mir nicht so passen und dann im Nachgang überdenken und reflektieren, auch aufschreiben. Aber nur im Austausch möchte ich nicht sein. Das ist aber generell sehr individuell je nach Bedürfnissen denke ich. Das bewusste Treffen und lernen vom Gespräch mit dem Gegenüber macht Freude. Die bewussten Zeiten für mich dazwischen sind mir eben soviel wert.

    Ich habe diese Woche sehr viel "freie" Zeit, da wir früher – 4 Tage – aus dem Urlaub zurück sind, weil meine Tochter sich nicht wohl gefühlt hat. Die freie Zeit gilt es nun für mich zu gestalten. Viele Menschen sind unterwegs, daher wenig Austauschmöglichkeiten, es ist ein Abenteuer und eine Aufgabe freie Zeit zu gestalten. Ich mache TA, das ist gut investiert 🙂

    • Liebe Evelyn

      Ich gehe mit dir einig, dass es wichtig und hilfreich ist, sich Zeit für sich alleine zu nehmen, um sich mit sich auseinanderzusetzen. Auf der anderen Seite braucht es aus meiner Sicht die Begegnung mit anderen, um sozusagen "Futter" zu erhalten für die Auseinandersetzung mit mir selbst: Widerspräche, Unterschiede, Bestätigungen usw.

      LG Jürg

  • Ergänzend möchte ich sagen was die Führung, die Vorgabe der Zeitstrukturierung, betrifft: Das ist ein so wichtiger und unterschätzter Punkt. Als Alleinerziehende von zwei Kids 15 und 10 Jahre ist es ein Kraftakt deren Zeit zu strukturieren, dass sie sich nicht langweilen, sie loszulassen, dass sie lernen die Zeit selbst zu strukturieren und dabei die eigene Zeit, die immer mehr frei wird, weil die Kinder größer werden, sinnvoll zu gestalten.
    Daher bin ich bspw. schon froh, wenn ich in der Rentnergymnastik bin und jemand mir 1 Stunde vorschreibt wie ich mich zu bewegen habe. Jemand übernimmt eine Stunde meiner Tageszeit und strukturiert diese mit Gymnastikübungen. Nicht ich gebe die Übungen vor, nicht ich entertaine oder leite an, sondern jemand tut das für mich. So banal es auch ist. Ich empfinde mehr diese Anleitung / Strukturierung der Stunde von aussen als Entspannung als die Gymnastikübungen an sich.

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